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Neuigkeiten

Autor: Frau Lachenmayr
Artikel vom 11.11.2019

"Marcipan"

Das Dillinger Stadtarchiv veröffentlicht einen weiteren kulinarischen Beitrag in der Wissens-Serie „Fundstück des Monats“: Ein altbewährtes Gericht unserer Heimatküche aus dem historischen Kochbuch des Dillingers Balthasar Staindl.

Ein wahrlich goldener Oktober liegt hinter uns. Nun steht die Adventszeit vor der Tür, die mit zahlreichen kulinarischen Genüssen lockt. Eine beliebte Nascherei ist schon seit vielen Jahrhunderten das Marzipan. Auch der Dillinger Balthasar Staindl hat in seinem vor fast 500 Jahre erschienenen Kochbuch bereits ein Rezept hierzu verfasst. Die Dillinger Stadtarchivarin Dr. Felicitas Söhner hat dieses herausgesucht und nachgebacken.

Bereits in der Antike empfahl der persische Arzt Rhazes (850 bis 923) das Gemisch aus Mandeln und Zucker als heilsam. Vermutlich mit den Kreuzrittern und Kaufleuten kam das Rezept nach Europa und wurde bis in die Frühe Neuzeit hinein von Apothekern in Kleinstmengen hergestellt. Ärzte berichteten von erfolgreichen Marzipantherapien und der anregenden Wirkung. Doch außerhalb der Fürstenhöfe war das Marzipan kaum anzufinden, da es wegen der kostbaren Zutaten nahezu unbezahlbar war. Der Zucker wurde aus Indien importiert, die Mandeln aus dem Mittelmeerraum. Und auch Honig war nicht unbegrenzt verfügbar.

Söhner erläutert: „Dass Staindl das ‚Marcipan‘ in seinem Bürgerlichen Kochbuch veröffentlichte, dokumentiert auch einen gesellschaftlichen Wandel.“ Denn in dieser Zeit, Mitte des 16. Jahrhunderts, entwickelte sich die Süßspeise langsam vom sündhaft teuren Medikament hin zu einem zunächst noch luxuriösen Genussprodukt. Doch mit zunehmender Erschwinglichkeit der Zutaten konnte Marzipan nun immer häufiger auch von einfachen Bürgern als wertvolles Konfekt zu besonderen Anlässen und repräsentativen Feiern gereicht werden.

Das Rezept: Gebackenes Marcipan nach Staindl
200g fein geriebene Mandeln (ohne Haut)
200g feinen Zucker (alternativ 100g Honig)
1-2 EL Rosenwasser
Oblaten
Koriander (gemahlen)
Anis

Die fein gemahlenen Mandeln mit Rosenwasser in eine Schüssel geben. Dann den Zucker oder Honig hinzufügen. Alle Zutaten so lange mit den Händen verkneten, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Anschließend kleine Portionen auf einzelne Oblaten setzen. Diese nach Belieben mit Koriander und leicht geröstetem Anis bestreuen. Im vorgeheizten Backofen bei 150 Grad etwa 30 Minuten backen.

Originaltext (wie damals üblich ohne Mengenangaben):
Nimb geriben oder gestossen Mandel / der gar klain ist / so er stossen ist / so nimb schmeckendt Rosenwasser / da wirdt er weißvon / thu schier sovil zucker darin als der Mandel / Nimb der Oblat / unnd die leg auff ein Papir / … see auff den Marcipan Coriander / backnen Enis / … und bachs inn der Basteten Pfann /so lang bis sein borket oben uber wirt / so nimm die deck auf die pfann / schüt e gemächlich abher auff ein schöns brettlin / gibs kalt für ein essen / oder an dem abendt für ain schlafftrunck.

Neben diesem kulinarischen „Schmankerl“ lagern im Dillinger Stadtarchiv zahlreiche weitere Schätze. Stadtarchivarin Dr. Söhner ist es ein wichtiges Anliegen, diese besonderen Stücke für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Im Rahmen des „Stadtarchiv-Blogs“ werden regelmäßig spannende Einblicke in die Bestände des Archivs gewährt und ausgesuchte Exponate gezeigt. „Ob Urkunden, Fotos, Plakate, Verträge oder Briefe – die Vielfalt macht den Reiz der vorgestellten Exponate aus“, so die Dillinger Archivarin. Auf folgender Internetseite kann die Präsentation der Fundstücke zudem nachgelesen werden: https://stadtarchivdillingen.wordpress.com 

Wie berichtet, stammt das erste bekannte bürgerliche Kochbuch im deutschsprachigen Raum von Staindl. Archivarin Söhner nimmt an, dass der Dillinger in den Diensten der Fugger-Familie oder des Fürstbischofs stand. Mitte des 16. Jahrhunderts – vermutlich 1544 – erschien erstmals sein gesammeltes Werk, welches nahezu unverändert bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts immer wieder aufgelegt wurde. Im Dillinger Stadtarchiv befindet sich eine der raren Faksimileausgaben.